Vietnam – Tag 4

März 9, 2008

Samstag: Saigon -Da Lat

Geplant: 8.30 – 14.30 Tatsaechlich: 9.00 – 18.00

Wir brauchten mehr als zwei Stunden um aus dem Moloch Saigon herauszukommen. Das lag einerseits am Verkehr, andererseits daran, dass wir noch im Stadtgebiet wegen einer ‘kleineren’ Reparatur anhielten. Die Klimaanlage funktionierte nicht, und einer der beiden Fahrer fummelte an den Sicherungen herum. Das Ergebnis war, die Klimaamlage ging immer noch nicht, aber ploetzlich kam Rauch aus einer Tuerverkleidung. Wir schnappten natuerlich schnell unser Handgepaeck und stuerzten aus dem Bus, bevor er vielleicht in Flammen aufging. So schlimm war es dann doch nicht, denn der Fehler, was immer es auch war, wurde behoben. Waherend der Mittagspause wurde noch etwas an Batterien und Elektrik gearbeitet, and dazu mussten erst mal diverse Kleinteile von irgendwoher organisiert werden.

Die Fahrt selbst wurde von der Landschaft her sehr interessant. Die Strasse fuehrte durchs Gebirge (Da Lat liegt 1400 m hoch) und war z.T. von dichten Bambuswaeldern umsaeumt. Es waren ausser Zweiraedern fast nur LKWs und Busse unterwegs. Einer von denen kam uns in einer engen Haarnadelkurve entgegen, und unser Fahrer musste so stark abbremsen, dass er den Motor abwuergte. Der sprang dann nicht wieder an, und der andere Fahrer musste an der Elektrik rumfummeln, damit es wieder losgehen konnte.

Als wir endlich in Da Lat ankamen, war es schon dunkel. In der Strasse, in der der Bus uns absetzte, war ein Hotel nach dem anderen, so dass wir nicht lange suchen mussten. Im Hotel und auf der Strasse war viel los, denn Da Lat ist fuer Vietnamesen ein beliebter Wochenend- und Urlaubsort. Gegen Mitternacht legte sich dann der allgemeine Laerm, und wegen der Hoehe war die Temperatur so angenehm, dass wir keine Klimanlage zum Schlafen brauchten.

Vietnam – Tag 3

März 7, 2008

Saigon, Freitag 

Heute Morgen stuerzten wir uns wieder ins Saigon Strassengewimmel und wollten Rikschas zum Chinesenviertel Chao Lon nehmen. Man riet uns im Hotel davon ab, weil es so weit sei. Das war ein guter Ratschlag, denn wir waren fast 45 Minuten unterwegs. Allerdings dauerte es auch so lange, weil der Taxifahrer den Markt nicht kannte, zu dem wir zuerst wollten. Zunaechst einmal eine kurze Beschreibung des Verkehrs in Saigon. Paris oder Rom sind nichts dagegen. Hier herrscht kontrolliertes Chaos pur. Chaos, weil jeder so faehrt, wie er will: Spur wechseln, links oder rechts ueberholen, gegen die Fahrtrichtung fahren, alles, was man sich denken kann. Kontrolliert ist das Ganze, weil alle so fahren, und man mit Allem rechnet. Wenn einem jemand ‘falsch’ entgegen kommt, dann haelt man halt und faengt nicht gleich an zu hupen. Die Hupe ist allerdings bei den Autos genau so wichtig wie der Motor oder die Bremse. Damit werden naemlich die Zweiradfahrer gewarnt, dass jemand ‘Staerkeres’ hinter oder neben ihnen ist. Als Fussgaenger musst du dir die Strassenueberquerung quasi erzwingen. Wartest du, bis sich eine Luecke aufmacht, oder man dich rueber laesst, dann stehst du am naechsten Tag noch da. Du musst dich also richtig vortasten, d.h. man geht los, bleibt kurz stehen, geht weiter, wenn der Verkehr wegen dir kurz verlangsamt, dann wieder ‘stop and go stop and go’, usw., bis du auf der anderen Seite bist. Das ist nicht uebertrieben, und man gewoehnt sich schnell daran.

Abgesehen von den Menschenmassen sind Zweiraeder, vor allem Roller und Mopeds den Autos zahlenmaessig weit ueberlegen. Die billigsten Roller, ‘Made in China’, kosten “nur” 300 $; “nur”, weil das fuer vietnamesische Verhaeltnisse immer noch viel Geld ist.

Zum Vergleich: 1 l Sprit kostet 0,50 EUR, fuer weniger als 1 $ kann man in den Garkuechen schon satt werden, und In einem normalen Restaurant gibt man pro Person meist nicht mehr als 5 EUR, incl. Getraenke, aus.

Was ich hier im Strassenbild vermisse, nein, vermissen tue ich das nicht, was ich hier kaum sehe, sind ‘dicke Autos’, mit denen die Reichen in Afrika so gerne angeben. In Saigon hat man nicht den Eindruck in einem sozialistischen Staat zu leben. Da sieht es in Tansania, das frueher mal sozialistisch war und heute kapitalistisch ist,  mit Versorgungs-luecken (z.B. Stromrationierung) ganz anders aus. In Vietnam scheint es auf den ersten Blick (ich bin ja erst ein paar Tage hier) fast an nichts zu fehlen.

Die Alt68er, die noch mit “Ho-Ho-Ho-Chi-Minh” Rufen durch deutsche Strassen rannten, wuerden sich im Grabe umdrehen (wenn sie da schon drin sind), wenn sie saehen, wie in ihrem ehemals kommunistischen Vorbild aus der Planwirtschaft inzwischen eine fast kapitalistische Marktwirtschaft geworden ist. Die muessten ihren Schlachtruf in “Money-Money-Talks” umwandeln. Wie gesagt, ich bin erst ein paar Tage hier, und das ist ein erster Eindruck. Die Wirklichkeit sieht bestimmt etwas anders aus. Im Reisefuehrer wird von‘Kaderkapitalismus’ gesprochen, so dass wieder nicht das ‘gemeine Volk’, sondern Partei- und andere Bonzen hauptsaechlich von der freien Wirtschaft profitieren.

Doch zurueck zum heutigen Tag. Das Chinesenviertel hat eine ganz andere Atmosphaere als der Teil von Saigon, den wir bisher kennen gelernt haben. Die Menschen haben eine andere Physiognomie, auch wenn ich sonst nicht feststellen kann, ober ein Asiate aus China, Vietnam, Korea oder sonst wo herkommt. In den Geschaeften findet man Waren, wie Lampions oder Flugdrachen, so wie man (oder zumindest ich) sich das in chinesischen Staedten vorstellt. Der Besuch einer der Pagoden durfte natuerlich nicht fehlen und war sehr eindrucksvoll.

Am Nachmittag besuchten war dann das ‘Kriegsmuseum’. Obwohl es gerade umgebaut wird, und z.B. die sogenannten ‘Tiegerkaefige’, in denen gefangene Vietcong von den Amerikanern wie Tiere untergebracht worden waren, nicht zu sehen waren, gingen einem vor allem die Fotos von Kriegsopfern und -graeueln schwer an die Nieren.

Den spaeten Nachmittag und fruehen Abend genossen Edith und ich noch mal in Ruhe, bevor Schorse, Nina und ‘Oberchaot’ Arthur um 22.00 Uhr im Hotel ankamen. Es gab dann noch einen Absacker, bevor wir relativ frueh ins Bett gingen, denn morgen geht es schon frueh weiter nach Da Lat.

Vietnam – Tag 2: Im Mekong-Delta

März 6, 2008

Donnerstag 

Als ‘backpacker’ ist man ja “auf Tour” und damit genau so ein Tourist wie die‘Neckermaenner’.Heute taten wir das, was von einem Touri erwartet wird, naemlich wir buchten eine Tagestour. Da das Mekong-Delta nicht auf unserer Route nach Norden liegt, hatten wir uns fuer eine Tour zu einem der ‘Schwimmenden Maerkte’ im Mekong-Delta entschlossen. Die Tagestour “Cai Be Floating Market” wird im Prospekt wie folgt beschrieben:“Depart at 7:40 am. On arrival Cai Be, take a boat trip to visit: Cai Be Floating Market, a boat rides on the maze of shady canals to arrive a local orchard, enjoy tropical fruits and the daily activities of local people.”Es ging also frueh mit dem Bus los, und da Saigon 8 – 10 Mio. EW (bei diesen Megacitys weiss man das nie so genau) hat, quaelten wir uns mehr als eine Stunde durch den Morgenverkehr. Dann hatten wir eine Autobahn (in Deutschland waere das eine B ‘reparaturbeduerftig’), so dass es etwas schneller ging. Die Hinfahrt dauerte dann trotzdem insgesamt 3 Stunden.Das Mekong-Delta ist die Korn-, sprich Reiskammer Vietnams, aber daneben gibt es ausgedehnte Obst- und Gemueseplantagen, sowie Fisch- und Krabbenfarmen.Der 1. Teil der Reise war schon sehr touristisch, und ich fuehlte mich wie ein ‘Neckermann’, denn so schlimm hatte ich mir das nicht vorgestellt.Der schwimmende Markt ist schon authentisch, wird also nicht fuer die Touris durchgefuehrt. Die Haendler ankern im Strom, und an einer Bambusstange haengen Exemplare der Ware, die sie verkaufen. Die Kaeufer kommen mit ihren Booten laengsseits, und der Handel kann beginnen.Ich hatte allerdings das Gefuehl, dass mehr Touristen als Einheimische in Booten unterwegs waren.Nach dem schwimmenden Markt besuchten wir kleine Produktionsstaetten fuer Reispapier, Pop Rice und Suessigkeiten. Unser Reisefuehrer erklaerte uns die Produktionsablaeufe. Er war eigentlich ganz OK, nervte aber mit seinem staendigen “Now you see local people work. Work is easy, you try. Now you take picture.” Man konnte die Produkte probieren, und natuerlich gab es die obligatorischen Verkaufsstaende.Das Beste an der Tour war die anschliessende laengere Bootsfahrt auf dem Mekong und seinen Seitenkanaelen (da wurden wir z.T. gerudert) zu einem kleinen Restaurant (Geheimtipp, steht noch in keinem Reisefuehrer).Es gab eine Kleinigkeit zu essen (Reis, was sonst), und dann konnte man in einer Haengematte eine Siesta halten.Alles in Allem bereuten wir nicht, als Massentourist unterwegs gewesen zu sein, aber eine 2 – 3taegige Tour ist fuers Mekong-Delta angemessener.

Bei einem ‘Zeitfenster’ von knapp 3 Wochen muss man halt Kompromisse machen oder auch mal auf etwas, wie Angkor Wat, verzichten. Wie heisst es so schoen? “Aufgeschoben ist nicht Aufgehoben.” Angkor Watt laeuft zwar nicht weg, wird

aber wahrscheinlich immer ueberlaufener.

Vietnam – Tag 1: Ho Chi Minh City

März 5, 2008

Ho Chi Minh City (Saigon), Mittwoch

 Die dreiwoechige Reise durch Vietnam ist von Sueden (Saigon) nach Norden (Hanoi) geplant, da es im Laufe des Maerz in Saigon immer heisser werden wird (jetzt sind es schon um die 30 Grad), waehrend Hanoi dann noch angenehme Temperaturen um die 25 Grad haben wird.                            Die Reise ist zwar als ‘backpacker tour’ vorgesehen, d.h. Flug, Unterkuenfte und Verkehrsmittel im Land werden selber organisiert, soll aber etwas komfortabler als Afrika und nicht so teuer wie eine Studiosusreise werden (also keine 1 EUR oder 100 EUR fuer ein Zimmer und auch keine Sammeltaxis). Vielleicht gibt es dann nicht so viel Interessantes oder Lustiges zu berichten. Schaun mer mal.                                                       Diesmal bin ich nicht alleine unterwegs, sondern Edith, ihr Bruder Arthur, Schorse (ein guter Freund) und seine Tochter Nina, die in Australien lebt, reisen mit. Eine gewisse ‘Emma’ war am Start auch stuermisch mit von der Partie. Emma (weil sie so viel Unheil anrichten, bekommen Stuerme wohl weibliche Namen) brachte naemlich letzten Samstag den Flugplan so durcheinander, dass wir in Duesseldorf gar nicht erst wegkamen. Die anderen hatten zu ihrem Glueck unterschiedliche Abflughaefen.                                  Montagabend klappte es dann ohne Probleme, und wir kamen ueber Zuerich und Hongkong Dienstagnacht in Ho Chi Minh City, das haeufig wieder Saigon genannt wird, an. Beim Geldwechseln wurden wir schnell Millionaere, denn fuer 100 EUR bekamen wir rund 22 Mio Dong.                                            Gegen Mitternacht erreichten wir unser Hotel. Fuer uns war es allerdings gefuehlte ‘Vorabendkrimi’ Zeit, denn die Zeitdifferenz betraegt + 6 Stunden.   So gab es dann Probleme mit dem Einschlafen, obwohl wir rund 24 Stunden von der Strassenbahnhaltestelle „Oststr.“ bis zur „Bui Vien Street“ unterwegs waren.                                                                                                     Unser Hotel befindet sich im ‘backpacker’ Viertel „Pham Ngu Lao“, inmitten vieler Guesthouses, Cafes, Bars, Reisebueros etc. Im Reisefuehrer wird es so beschrieben: „Kaum irgendwo in Asien kann man so exklusiv billig wohnen wie hier…“. So haben wir fuer 20 US $ ein Zimmer mit Sat-TV, Minibar, Telefon, AC und natuerlich eine warme Dusche. Also alles, wovon ich in Mali nur traeumte, es letztendlich aber nicht vermisste. Das hoert sich jetzt fast so an, als ob ich ‘meiner’ Pinasse nachtrauere, dem ist natuerlich nicht so.          Eigentlich hatten wir von Mittwoch bis Donnerstag die Tempelanlage Angkor Wat in Kambodscha eingeplant, aber diesmal brachte nicht eine Pinasse, sondern ‘Emma’ meine Plaene durcheinander.                                       

Edith und ich verzichteten also auf Angkor Wat. Wir sind ja hier, um Vietnam und seine Bevoelkerung etwas kennenzulernen und nicht, um jede ‘Sehenswuerdigkeit am Rande’ nach dem Motto „Suedostasien in 20 Tagen“ abzuhaken. Die anderen Drei waren ja schon zwei Tage frueher hier und machten sich nach dem Fruehstueck (der super gesuesste Milch-Nescafe aus Mali scheint mich zu verfolgen) auf den Weg, bzw. Flug nach Kambodscha.     

Waehrend die anderen also ‘auf Kultur’ machten, genossen Edith und ich am Mittwoch das bunte Treiben von Saigon, mit seinen vielen Rollerfahrern, fliegenden Haendlern (die ein „Nein“ auch als ein solches akzeptieren), Garkuechen, etc., also mit dem Menschengewimmel, das man mit Suedostasien assoziiert.                                                                            Vom Essen her bin ich hier sowie so gut aufgehoben, denn Vietnam ist ein ‘Reis-und-Nudel-Land’, und zum Fruehstueck kann man hier schon Nudelsuppe essen.

Mali – Tag 22 + 23

März 2, 2008
Montag/Dienstag
 
Diese beiden Tage waren Reisetage zum Flughafen nach Bamako.
Vom Holländer hatte ich zwar erfahren, dass die rd. 450 km zwischen Gao und Niamey seit kurzem frisch geteert sind, und ich also nur 1 Reisetag zum Flughafen gebraucht hätte,
aber von Niamey gibt es keinen täglichen Flug nach Europa.
 
An beiden Tagen war ich je 10 Stunden in ordentlichen Bussen unterwegs.
Die Fahrt Gao – Bamako (ca. 1200 km) wäre auch nonstop in 18 – 20 Stunden möglich gewesen, ich unterbrach sie aber auf halber Strecke in Sévaré, das ist nicht weit von Mopti, dem Beginn meiner Pinassen(irr)fahrt.
 
Der Flug nach Paris war kein Problem, und was gab es zum Nachtessen?
Richtig: Reis mit Beilagen. Das war dann der passende Abschluss einer tollen Reise.
 
Bis zur nächsten Tour!

Take care,
Rainer a.k.a forsty


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Mali – Tag 21

März 2, 2008
Gao, Sonntag
 
Ich habe mal vor der Reise überlegt, warum ich nach Gao möchte, oder bzw. warum Gao für mich schon seit Langem ein Begriff ist. Mein Ex-Kollege Dieter Wiegel meinte darauf, das läge bestimmt daran, dass Gao in Erdkundebüchern und Atlanten immer als Klimastation auftaucht.
Gao hat im Atlas auch eine exponierte Lage am Nigerbogen. Der Niger fließt nämlich erst nach Norden, dann biegt er nach Osten ab, um schließlich vor Gao den Lauf nach Süden zu nehmen.
Nach 3 Stunden Schlaf war ich schon wieder auf den Beinen, denn ich wollte nicht den einen Tag in Gao verpennen.
Frühstück gab es auf der Dachterrasse mit gutem Überblick auf das morgendliche Markttreiben
und den nahen Niger.
Die Stadt war mir auf Anhieb sympathisch, und der Abstecher dahin hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Nach dem Frühstück holte ich mir bei der Polizei einen Aufenthaltsstempel ab. Der soll zwar nicht mehr nötig sein, macht sich im Pass aber gut.
Danach machte ich die Weiterfahrt für den nächsten Tag klar.
Den Rest des Tages verbrachte ich auf dem Markt und mit dem Besuch des Pyramidengrabs der Askia, welches heute auch als Moschee dient.
Die Mittagshitze ließ sich im Computerraum des Lehrerseminars von Gao gut aushalten. Jetzt werdet Ihr Euch fragen, was macht der Forsty denn  in einem Lehrerseminar, der hat doch genug von Schule.
Die Erklärung kommt gleich.
‘Guides’ und sog. ‘facilitateurs’, das sind die Leute, die einem das Leben einfacher (‘facile’) machen wollen, gehen einem eigentlich schwer auf den Senkel.
Ein „Nein“ beeindruckt die gar nicht, dann sage ich, „Nein heißt nein“, und man lässt immer noch nicht locker. Ich darauf: „Verstehst du kein Französisch? Ich habe nein gesagt.“ Dann kommt manchmal die Antwort:
„Ich spreche besser Französisch als du“, dem ich Nichts entgegen-zusetzen habe. Bei ganz Hartnäckigen werde ich dann schon mal lauter und muss mich dann als ‘Rassist’ beschimpfen lassen. Dann flippe ich erst recht aus, statt cool zu bleiben.
Doch jetzt die Erklärung zum Lehrerseminar: manchmal (vielleicht auch häufiger, ich versuche es halt nicht) sind die ‘Guides’ auch nützlich. Ich hatte einen, der mich auf seiner Mofa zum Lehrerseminar brachte, weil es dort einen schnellen Internetzugang gab.
Am späten Nachmittag fuhr ich mit einem Holländer in einer Piroge zur ‘Rosa Düne’, die man von Gao aus sehen kann; ‘rosa’, weil sie bei Sonnenuntergang diese Farbe in verschiedenen Schattierungen annimmt.
Der Holländer, 2 Jahre älter als ich, reist auch auf eigene Faust (vorwiegend in Asien), allerdings nicht als ‘backpacker’, sondern mit ‘Stil’:
er hat einen Koffer, einen Rucksack mit 10 kg Büchern und seinen Laptop dabei. Damit speichert und archiviert er abends seine digitalen Fotos.
Der Ausflug lohnte sich, da die Düne immer neue Rosatöne annahm.
Nach einem gemeinsamen Abendessen mit den beiden Schweizerinnen (irgendeinen trifft man auf solchen Touren immer wieder) gingen wir noch in eine afrikanische Discokneipe zum ‘Abzappeln’.
Die Schweizerinnen hatten einen ‘guide’ dabei, und dieser brachte mich um Mitternacht mit seiner Mofa zum Hotel. Dort angekommen, kramte ich gerade nach Geld, als er schon wieder losfuhr. Ich rief noch „Stopp“, aber er lachte nur und fuhr um die Ecke.
Es gibt also in Mali auch noch die (seltene) Ausnahme zum ‘cadeau’.
 
 
 
 

Take care,
Rainer a.k.a forsty


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Mali – Tag 20

März 2, 2008
Samstag, Timbuktu – Gao
Ich hatte für einen bequemeren Platz im 4 x 4 etwas mehr bezahlt.
Ein Toyota Landcruiser hat 5 normale Sitzplätze und 2 Klappbänke im Laderaum.
Als wir losfuhren, waren wir zu 16, 13 Passagiere innen, 2 und 1 Ziegenbock (glaube ich, ich habe nicht zwischen die Beine geschaut) oben auf dem Gepäckträger.
Ich würde gerne wissen, ob eine Ziege eine solche Fahrt genießt oder ob sie sich ‘in die Hose scheißt’, in diesem Fall auf meinen Rucksack.
Neben mir saßen 3 Japaner, die ja bekanntlich meist zierlich sind.
Ich dachte, ich sei clever, wenn ich einen Platz am Fenster einnehmen würde. Das war aber eine Sch….idee, denn die Armlehne drückte sich während der ganzen Fahrt in meine Niere oder welches Organ ich sonst da habe. Bei den meisten Sammeltaxis fehlt die Innenverkleidung, nur bei diesem musste noch fast alles dran sein.
Wir waren die ersten, die von der Fähre herunterkamen und gewannen die Rallye
Timbuktu – Douentza.
Auf 1/2 Strecke konnten wir uns bei einer Polizeikontrolle die Beine vertreten (und die Niere entlasten) und waren sofort von bettelnden Kindern und fliegenden Händlern umringt. Eine alte Frau verkaufte kleine Krapfen, und pro forma fragte ich nach dem Preis, den ich allerdings schon kannte (250 CFA). Sie verlangte das Doppelte und ging schnell ohne zu handeln auf den Normalpreis herunter. Ich fragte sie (wahrscheinlich hat sie mich sowieso nicht verstanden), warum ‘Toubabs’ immer mehr zahlen sollten.
Ein anderer Händler beruhigte mich, ich solle mich nicht aufregen. Die Frau sei ungebildet und arm und wolle halt so viel wie möglich verdienen. Ich erklärte ihm, in Afrika sei das immer das Gleiche, Weiße würden als ‘Milchkühe’ angesehen, die alle Millionäre
seien. Wir Europäer seien doch genau so menschliche Wesen wie Afrikaner, das Blut hätte dieselbe Farbe, nur die Haut sei halt anders.
Er übersetzte das der Frau, die zustimmend nickte und beim nächsten Mal bestimmt wieder mehr verlangt.
Ich weiß nicht, ob ich Euch schon erzählt habe, wie ich aus der ‘Millionärsnummer’ herauskomme. Ich sage dann immer: „Ich bin Lehrer, hast du schon mal einen Lehrer getroffen, der Millionär ist?“ Dieses Argument zieht immer, denn Lehrer in Afrika sind ganz arme Schlucker.
Doch zurück zu den Krapfen. Ich bot der Frau sozusagen als ‘Strafe’ nur 200 CFA an, und als sie nicht darauf einging, war ich doch unkonsequent und kaufte ihr die Krapfen ab (gute Tat des Tages).
Die Krapfen schmeckten nach vorgestern, und das ahnten meine Mitreisenden wohl, denn jeder lehnte dankend ab, als ich sie anbot.
Bei der nächsten Gelegenheit die nächste gute Tat, die Kinder rissen sich um sie (für die hätten auch die von vorvorgestern geschmeckt).
An der Teerstraße angekommen (10.30 Uhr) erkundigte ich mich nach einem Transport nach Gao. Ich hätte fast ein Busticket gekauft, fragte aber noch rechtzeitig, wann es losgehen sollte: 20.00 Uhr. Der Typ versprach mir, eine andere Mitfahrgelegenheit zu organisieren.
Ich saß mehr als 2 Stunden in einem Restaurant herum und aß eine Mango nach der anderen. Um die Kerne mit dem Fruchtfleisch dran rissen sich die Kinder.
Ursprünglich dachte ich, ich käme an der Teerstraße schnell weg, aber die meisten Fahrzeuge Richtung Gao bogen nach Timbuktu ab.
Die Alternative war, nach Timbuktu zurückzufahren, und es mit einer Pinasse nach Gao zu versuchen.
Müder Scherz beiseite; meinen ursprünglichen Plan, von Gao nach Niamey (Hauptstadt der Rep. Niger) zu fahren, gab ich auf. Der Flughafen von Niamey liegt zwar nur 400 km von Gao entfernt und Bamako 1200 km, aber die Strecke Niamey – Gao ist hauptsächlich Piste,
ich wusste nicht, wie der Grenzübergang ohne Visum klappt, und von Niamey fliegt nicht jeden Tag eine Maschine nach Paris.
Die 6tägige Pinassenfahrt hatte die ursprüngliche Planung über den Haufen geworfen. Die sieht jetzt folgendermaßen aus:
- Heute Abend Gao (falls ich da noch hinkomme)
- Sonntag Gao
- Montag/Dienstag Rückfahrt nach Bamako (Übernachtung in Mopti)
- Dienstagnacht Rückflug nach Paris (falls für mich Platz ist)
- Mittwoch ist die Badewanne für mich reserviert
Da ich einsah, dass tagsüber kein Transport nach Gao in Sicht war, nahm ich das Angebot an, mir bis zum frühen Abend in einem Hotel (die meisten von Euch würden ‘Absteige’ dazu sagen) ein Zimmer zu nehmen.
Das war eine gute Idee, denn so konnte ich etwas Schlaf nachholen.
Der für 19.00 Uhr angekündigte Bus (warum glaube ich eigentlich immer noch an solche Aussagen) war 2 Stunden später immer noch nicht da.
Als dann eine andere Busgesellschaft hielt (der 1. Bus an diesem Tag Richtung Gao), ließ ich mein bezahltes Ticket sausen, drückte dem Fahrer 5 Mille ‘cash inne Täsch’ und war wenig später endlich weg.
Normalerweise soll man es vermeiden, sich im hinteren Teil eines Busses aufzuhalten, da man dort wegen der Hinterachse kräftig durchgeschüttelt wird. Die ganze Rückbank war jedoch frei, und ich konnte mich ausstrecken. So viel Platz hatte ich noch nicht mal auf meinen London-Touren gehabt. An richtig Schlaf war allerdings nicht zu denken, denn geschüttelt (nicht gerührt) wurde ich trotzdem.
Gegen 4.00 kamen wir in Gao an, der Nachtwächter des Hotels brauchte nicht geweckt zu werden, und so war diesmal der Muezzin nicht mein Weckruf, sondern mein ‘Wiegenlied’.

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Mali – Tag 19

März 2, 2008

Timbuktu, Freitag,

 Um 6.00 war ich aus dem Loch, das mein Nachtquartier gewesen war, heraus.  An der Fähre warteten schon an die zwanzig 4 x 4 Autos, die wohl alle Richtung Douentza/Gao fuhren. Ich hätte da wohl eine Mitfahrgelegenheit gefunden, wäre dann aber a) gar nicht nach Timbuktu rein gekommen, und b) möchte iche die ‘harte Tour’ nach Gao, nämlich am Niger entlang, auf mich nehmen. Also wartete ich an die 2 Stunden auf die Abfahrt des Sammeltaxis.Im Hotel Bouktou traf ich fast die gesamte Pinassentruppe, obwohl die Niafounké einen Tag später als ich verlassen hatte. Sie hatten nämlich den Landweg gewählt.Von der Timbuktuliste (Tag 16) konnte ich nur die ersten 4 Punkte abarbeiten.Timbuktu kannte ich ja vom letzten Jahr, aber dieses Mal gefiel mir die Stadt viel besser. Es waren einige Straßen gepflastert worden, und es war gerade Markttag. Die Außenbezirke sind allerdings immer noch eine Katastrophe, versandet und total mit Plastik vermüllt.Für den direkten Weg nach Gao am Niger entlang (auf dem Niger wollte ich gar nicht erst probieren) gab es für den nächsten Tag keinen Transport. Also buchte ein 4 x 4 nach Douentza, das an der großen Teerstraße nach Gao liegt.

Ich genoss mit Alain und Sylvie Couscous als Abschiedsessen, wir verabredeten uns für August oder so in Mosambik, und ich ging ins Bett.

Mein Transport kam wie abgemacht kurz nach 4.00 am Hotel vorbei, und Frühstück gab es wieder nicht. 

Mali – Tag 18

März 2, 2008
Donnerstag
In meinem Schlaf träumte ich davon, nach einem afrikanischen Konzert
nachts zum Hotel zurückzugehen und dabei ‘einen über die Rübe’ zu bekommen. Ich schreckte auf, und der Traum war halb Wahrheit. Der Schlag auf den Kopf entpuppte sich als der Fuss meines ‘Bettnachbarn’, und das afrikanische Konzert war ein Kofferradio, aus dem um 2.00 Uhr bei voller Lautstärke (zumindest was die Batterien hergaben) ein Konzert
der malischen Künstler „Amadou & Mariam“ kam.
Ich bat kurz aber vergeblich, die Musik etwas leiser zu stellen, aber es kam keine Reaktion.
Da es mir als einzigem ‘Toubab’ an Bord nicht anstand, meine ansichten von Nachtruhe durchzusetzen, wenn die Afrikaner sich nicht gestört fühlten und schlafen konnten, gab ich klein bei. Und das war gut so.
Da ich nicht mehr einschlafen konnte, erlebte ich die bisher schönste Tropennacht in Mali. Die ganze Nacht wurden von dem Sender Aufzeichnungen von malischen Konzerten gesendet. Leider kann ich nicht sagen, wer das alles war. Die Musik war so schön, dass ich gar nicht mehr den Versuch machte einzuschlafen. Dazu kam das Plätschern der Wellen gegen die Bordwand, gelegentliches Grunzen von Niger-, äh ich meine Nilpferden und Grillenzirpen. Manchmal muss ich richtig hinhören, ob es wirklich Grillen und nicht mein Tinnitus ist.
Den schönen tropischen Sternenhimmel konnte ich im Bauch des Schiffes leider nur erahnen.
Aber auch eine solch subjektive tolle Nacht kann verdammt lang sein, wenn man nicht den Körper eines Schlangenmenschen hat, der sich den verschieden gelagerten Säcken und den Lücken dazwischen anpassen kann. Man kann kein Licht anknipsen, aufs Klo oder zum Kühlschrank gehen, dafür gehen einem viele Gedanken durch den Kopf.
Mir wurde z.B. klar, dass ich eine gewisse Hektik sogar auf meinen Reisen in Afrika nicht ablegen kann. Ich bin z.T., übertrieben ausgedrückt, ein ‘Lonely Planet Sklave’, dem es hauptsächlich darum geht, wie er von A nach B kommt, vom bedeutsamen Wochenmarkt zu Weltkulturerbegebäuden. Dass sich zwischen A und B tolles, authentisches afrikanisches Leben abspielt, wird dabei völlig vergessen.
Die Spanierin, auf deren Visitenkarte „Monica – Traveller“ steht, hat mir während der gemeinsamen Pinassenfahrt ein wenig die Augen geöffnet.
Sie reist hauptsächlich nach Straßenkarte, zu Orten, die ihr vom Namen oder der Lage her gefallen und benutzt den Reiseführer überwiegend, um sich über Transport- und Unterkunftsmöglichkeiten zu informieren.
Das wäre mir etwas zu extrem, aber ich nahm mir in dieser Nacht vor, diese Idde zumindest in Ansätzen teilweise zu beherzigen. Für Monica ist diese Art zu reisen einfach, da sie meist monatelang unterwegs ist, und vom Kauf und Verkauf von Schmuck, Tüchern etc. lebt.
Als Erstes geniesse ich schon einmal die Pinassenfahrt alleine unter Afrikanern, und wenn ich erst nach einer Woche statt wie geplant nach 3 Tagen ankomme, dann müsste halt Gao zur Not ausfallen, auch wenn mir das weh tun würde. Niamey steht sowieso nur auf dem Programm, weil der Flughafen näher an Gao liegt als der von Bamako.
Im Sommer habe ich z:B. eine längere Reise geplant, die von Äthiopien über Tansania, Mosambik, Simbabwe oder Südafrika und Sambia zu den Victoriafällen führen sollte.
Nur um die ‘Vic Falls’ zu besuchen, würde ich wahrscheinlich durch Mosambik ‘hetzen’, einem, wie man mir sagte, tollem Land mit liebenswerten Menschen.
Die Victoriafälle sind unbestriten sehenswert, aber afrikanische Dörfer für mich bestimmt genau so. Und wenn ich dann mal für ein, zwei Tage irgendwo hängen bleibe, dann werde ich das nicht als Schicksal sondern als Glücksfall ansehen.
Ich schreibe das so leicht dahin, dabei hängt mir nach einer Woche Pinassenfahrt der Reis zu den Ohren raus, und in afrikanischen Dörfern gibt es auch nur Einheitsmahlzeiten wie Reis, Maispampe, Hirse, Maniok, Kochbananen etc.
Die guten Vorsätze sind jedenfalls da, jetzt muss ich erst mal überhaupt dahin. Das ist nämlich auch son eine typische Unart von mir, die eine Reise ist noch gar nicht zu Ende, da plane ich schon die übernächste.
Rainer, komm mal langsam runter!
Die Pinasse wurde heute Morgen teilweise entladen, und das zog sich einige Stunden hin. Das war kein Zeitverlust, sondern ein Gewinn (Ihr seht, ich habe schon dazu gelernt), denn Fatuma stieg mit ihrer Familie in Diré aus und lud mich zum Frühstück ins Hause ihrer Schwiegereltern ein. Fatumas Schwiegereltern sind z.Z. in Timbuktu im Krankenhaus, da der Vater ein Magenproblem hat. Ich versprach, nach Möglichkeit im Krankenhaus vorbeizuschauen und wenn nötig, in irgendeiner Form (Geld kommt immer gut an) zu helfen.Zum Frühstück gab es Hirsebrei, der nach einer Woche Reis und Zucker-Milch-Kaffee köstlich schmeckte.Wäre ich weiter bei meiner kleinen Reisegruppe geblieben, wäre mir dieses Erlebnis entgangen. Deshalb reise ich gerne alleine in Afrika, lasse mich aber dennoch ab und zu von anderen zu gemeinsamen Reisen animieren (das hat nämlich auch seine Vorteile und bringt Spaß). Die gesunde Mischung bringt es für mich letztendlich.Ich möchte Fatuma gerne einige Fotos zukommen lassen (ein paar davon im Anhang dieser Mail), aber auf der Pinasse war das Problem der Postzustellung nicht zu lösen (E-Mail ist für sie natürlich ein Fremdwort).Der Einzige auf der Pinasse, der genug Französisch sprach, konnte leider nicht schreiben.Da kamen wir auf die Idee zur Hafenbehörde zu gehen, die es hier wirklich gibt. Jede Pinasse muss eine Art Zoll entrichten, und dem ‘Gebühreneintreiber’ erklärten wir das Problem, das natürlich keins war.„Il n’y a pas de probleme“.Er schrieb mir wörtlich die folgende Adresse auf, an die ich die Fotos schicken könnte: L’adresse de Monsieur Harbert CoulibalyAgent de Collecteur de la commune urbaine de Diré – MaliNo. de téléphone 502.70.44Region de Tombouctou au Cercle de Diré – quartier Alganima Ich gab zu bedenken, dass es keinen Postcode oder Postfachnummer gäbe. Da meinte er, „dann gehen wir mal bei der Post vorbei“. Die war um 8:00 zwar noch geschlossen, aber der Oberpostdirektor von Diré wohnte gleich neben an. Bei dem entschuldigte ich mich erst mal wegen der frühen Störung. – „Il n’y a pas de probleme“.Der Postmensch meinte der ‘Collecteur’ sei im Dorf doch bekannt wie ein bunter Hund (das Letzte sagte er natürlich nicht), und alle Post käme auf jeden Fall an. Ich erkundigte mich bei Monsieur Coulibaly, ob ich Fatumas Lebens-geschichte (keine Schule, frühe Heirat etc.) richtig verstanden hätte, und es stimmte (leider) alles. Monsieur Coulibaly sagte zu Fatuma, es sei nie zu spät, noch zur Schule zu gehen. Als ich sagte, drei bis vier Kinder seien doch genug, dann könne sie mit dem Schulbesuch anfangen, schaute sie mich ungläubig wegen dieses ‘Unsinns’ (so wenige Kinder) an.Beim Frühstück war übrigens Fatumas beste Freundin (was immer das in Afrika so heisst), die die Schule nach 5 Jahren abgebrochen hatte und das jetzt bedauerte. Und die Schwangere (ich weiss gar nicht, ob ich schon von ihr berichtet habe), die nach ihrer Aussage oder meinem Verständnis ihres Französischs bereits mit 12 Jahren geheiratet hatte und deshalb nur 2 Schuljahre hinter sich hatte, machte eine ähnliche Bemerkung. DenFrauen scheint die mangelnde Schulbildung in einem Land, in dem jeder 2. Satz mit „pas de probleme“ beginnt oder endet, doch ein Problem zu sein. Nach Diré ging die Fahrt zügig weiter, da nur noch ungefähr die Hälfte der Säcke an Bord war. An kleinen Ortschaften wurde gehalten, um noch mehr zu entladen oder Leute von Bord gehen zu lassen.Jetzt gegen 17.00 Uhr sind nur noch knapp 10 Leute an Bord.Ich frage schon gar nicht mehr, wann wir in Timbuktu ankommen. Erstens stimmen die Zeitangaben sowieso nicht (man sagt dem ‘toubab’ irgend etwas, weil man höflich und damit der zufrieden ist), und zweitens ist mir das nach 1 Woche Pinasse eigentlich auch egal.Timbuktu liegt gut 10 km landeinwärts, und sollten wir nachts ankommen und es keinen transport mehr geben, schlafe ich halt die 6. (oder ist es schon die 7.?) Nacht auf der Pinasse.Ansonstens gilt trotz der guten Vorsätze, mehr ‘Afrika pur’ zu erleben, noch die Wunschliste, auf der Dusche, Pasta und ein kaltes Bier ganz oben stehen.Vielleicht wundert Ihr Euch, dass bis auf das Missgeschick mit dem Brot bisher noch nichts passiert ist. Dem ist nicht ganz so. Als wir von Bamako kommend in Ségou ankamen (lang, lang ist’s her), vergaß ich beim Aussteigen meine Jacke im Bus (außer der deutschen SIM-Karte war nichts Wichtiges drin). Als ich das bei der Polizistenfamilie bemerkte, gingen Mamadou und ich schnell zum Busbahnhof zurück, aber der bus war schon weg. Durch Glück und Zufall fand Mamadou die Handynummer des Busagenten heraus, der den Bus vom Bahnhof bis zum Ortsausgang begleitete. Den riefen wir an, und er fand die Jacke sogar in der Ablage. Ein paar Stunden später wurde sie dann ‘frei Haus’ geliefert.Ansonsten habe ich mich vor ein paar Tagen beim dauernden Rauf- und Runterklettern von der Pinasse einen Muskel gezerrt (ich wusste gar nicht, dass das bei meinen mickrigen Muskeln überhaupt möglich ist). Das war sehr schmerzhaft, ich humpelte durch die Gegen und konnte noch schlechter zum Klo klettern. Ich rieb die Stelle mit Aloe Vera ein (Katja wird dies wohlwollend lesen), Didier, der Arzt, riet mir zu Panadol und gab mir entzündungshemmende Tabletten. Jetzt ist alles wieder OK, bis auf einen riesigen entzündeten Stich oder Kratzer am Zeigefinger, der stark angeschwollen ist. Es sieht aus wie eine gefährliche Tropenkrankheit, und ich ‘befürchtete’ schon eine Amputation(dann hätte es keine Berichte mehr gegeben), aber Didier fand das halb so schlimm (Diagnose: ein großes Hämatom mit Wasseransammlung).Jod mit einer Kompresse drauf, und das war es.Keine Magenbeschwerden oder Reisedurchfall, was will ich mehr.Einen Splitter unter dem Fuß entfernte eine der Frauen. Im Nachhinein habe ich mir erst Gedanken gemacht, ob ich das als nichtgläubiger Unreiniger einer Muslimfrau überhaupt zumuten durfte.Den Ausdruck „Alles nicht der Rede wert“ muss ich mir verkneifen, denn ich rede ja darüber. Timbuktu kam immer näher, denn es gab mehr Sand am Ufer, und ich sah die ersten Touaregs mit Kamelen. Um heute Abend Duschwasser zu sparen (ich glaube noch an Timbuktu) wusch ich mir Hände und Füsse über Bord mit einer Wurzelbürste. Die Bürste fand bei den Afrikanern großes Interesse, und man nickte zustimmend, was der Weiße so alles in seiner Trickkiste, sprich in seinem Rucksack, hat.Die Fahrt ging so flott, dass wir sogar am frühen Abend ankamen, allerdings waren wir erst in Kariuomé, dem Hafen von Timbuktu. Es gab nicht eine einzige Mitfahrgelegenheit in die Stadt, kein Hotel am Platz, eigentlich gab es nichts.Im Restaurant mit dem passenden Namen ‘J’ai faim’ (Ich habe Hunger) legte man mir eine Bastmatte in eine Ecke, und das war’s. Ein normales afrikanisches ‘Restaurant’ ist aber meistens eine Kaschemme mit gestampftem Lehmboden, einem Tisch und ein paar Bänke. Im Guide Michelin hätte es wahrscheinlich minus 3 Sterne.   


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Mali – Tag 17

März 2, 2008
Mittwoch – Genug vom Niger? Dann überspringen!
Heute Morgen loeste sich unsere kleine Reisegruppe auf.
Didier, der Arzt, und ich wollten nach Timbuktu. Diedier muss am Freitag am Flughafen in Bamako sein, und ich will weiter nach Gao und Niamey. Es gaben einen LKW nach Timbuktu, der leider nur einen Platz frei hatte, den natuerlich Didier bekam.
Ich begab mich zum Nigerufer, suchte den ‘Hafenmeister’ (einen Hafen gibt es hier zwar nicht), der mich informieren will, welche Pinasse mich mitnehmen kann.
Waehrend am Ufer buntes Treiben herrschte, harrte ich der Dinge. Das Harren kann natuerlich den ganzen Tag dauern. Morgen ist hier allerdings Markttag, und dann ist genug Pinassenverkehr (hoffentlich ohne mich, weil ich dann schon weg bin).
‘Pinassen-Stopp’ kann genau so frustrierend sein wie ‘Auto-Stopp’. In 3 Stunden landete gerade mal eine Pinasse, die aber a) in die falsche Richtung fuhr, und b) voller Schultz-Aktiv-Touris war, deren Reiseleiter wohl kaum einen ‘backpacker’ mitgenommen haette
(soweit geht die Solidaritaet oder Hilfsbereitschaft unter Deutschen im Ausland bestimmt nicht).
Einig Zeit spaeter sichtete ich in der Ferne 2 Frachtpinassen, der Hafenmeister hielt sogar sein Wort (‘cadeau’ war schliesslich von mir versprochen worden), und wir fuhren mit einer Piroge raus. Der Fahrpreis wurden nach kraeftigem Handeln auf die Haelfte heruntergedrueckt (Gottseidank wusste der Kapitaen nicht, dass ich alles bezahlt haette, nur um hier wegzukommen), und es ging los.
Ich muss mal kurz was ueber die Schiffe auf dem Niger sagen.
Da gibt es richtige Passagierschiffe wenn genug Wasser da ist, dann die kleinen Touristenpinassen, kombinierte Fracht-Passagierpinassen (am Obdeck Passagiere, im Unterdeck Fracht udn Menschen) und die reinen Frachtpinassen. Die Letzteren sind vom Schiffsboden bis zur Bordwand meistens mit Getreidesaecken schwer beladen.
Vorne ist Frachtraum, zwei Meter in der Mitte werden fuer die Bordkueche (Holz- und Holzkohleoefen) frei gehalten, danach wieder Frachtraum, dahinter der Maschinenraum und dann die ‘Toilette’. Die Anfuehrungszeichen deuten schon darauf hin: da das Heck der Pinasse etwas hoch ragt, begnuegt man sich mit einem Loch im Schiffsboden (fliessendes Wasser gibt es genug!). Eine Privatsphaere durch ein Klohaeuschen mit oder ohne Herz oder wenigstens einen Vorhang gibt es nicht. Man weiss, wenn jemand am Maschinenraum vorbeigeht, ist die Toilette besetzt. Beobachtet wird man trotzdem, denn ganz hinten ist eine Ziege angebunden, die einem beim Geschaeft (das man so lang wie moeglich hinauszoegert – in diesem Fall ist Verstopfung mal was Gute) interessiert zuschaut.
Ich war mal gerade eine kurze Zeit an Bord, da hielten wir in Landnaehe schon wieder an, ohne dass irgend Etwas be- oder entladen wurde. Ich dachte, ‘Rainer, fuer welchen Sch…
hast du dich da schon wieder entschieden? Da heattest du doch lieber bei den Anderen in Niafounké bleiben koennen.’
Es stellte sich jedoch heraus, dass wir nicht auf Grund gelaufen waren, sondern warteten, bis der schwere Wind etwas abflaute. Die Bordwand liegt an der niedrigsten Stelle naemlich nur ca. 20 cm ueber dem Wasserspiegel, und bei starkem Wind gibt es dann zu hohe Wellen, die ins Boot schwappen. Der Wind hatte ein Einsehen mit uns oder hautptsaechlich mit mir, und wir mussten nicht allzu lange warten.
Auf den Saecken lagerten die Passagiere, und zwar vorne ca. 6 Maenner, und ich suchte mir da ein freies Plaetzchen.
Im hinteren Frachtraum reisten 4 Frauen mit vielen Kindern und 2 aeltere Maenner, also haette ich da eigentlich auch hingehoert.
Ich hatte mich kaum haeuschlich oder schifflich niedergelassen, da rief schon die erste Frau ‘Toubab, viens!’ Sehe ich eigentlich wie ein Kindergaertner oder Babysitter aus? Ich kletterte also ueber, nicht durch die Kueche nach hinten, denn man laesst ja eine Frau nicht warten.
Als 1. fragte man mich nach einem Medikament fuer einen kranken Mann, der seit 5 Tagen
Magenprobleme haette. Ich fuehlte ihm die Stirn, ob er vielleicht Fieber haette (eine andere Diagnose kann ich sowieso nicht stellen), aber das schien nicht der Fall zu sein. Im Uebrigen sah er eher wie ein ausgemergelter Aids- als ein Magenkranker aus. Ich kramte etwas gegen Magenbeschwerden heraus, in der Hoffnung, wenn es vielleicht nicht hilft, dass es dann wenigstens nicht schadet. In Zukunft werde ich fuer diese Faelle Vitamintabletten oder Traubenzucker mitnehmen.
Dann zeigte man mir einen Jungen, dessen rechter Arm irgendwie nicht in Ordnung war.
Ich sagte ich sei kein Arzt, guckte mir den Arm an und bedauerte den Jungen. Um vom Problem des Jungen abzulenken, zeigte ich ihnen meinen krummen Arm. Das fanden sie natuerlich super interessant und mussten ihn gruendlich betasten. Eine der Frauen, Fatuma, war besonders kommunikativ (leider mit kaum vorhandenen Franzoesischkenntnissen) und wollte gleich wissen, wie das passiert war.
Im Laufe des Tages (Mittwoch) sprach mich Fatuma immer mit „Toubab“ an, obwohl ich
mich schon mit René vorgestellt hatte. Gegen Ende meiner Reisen verschenke ich immer
meine T-shirts peu à peu, und sie hatte eines bekommen. Ich sagte, wenn sie noch nicht mal meinen Namen wuesste, muesst sie das ‘cadeau’ wieder abgeben. Dann wiederholte
ich noch mal meinen Namen. Das ging bestimmt 4 – 5 mal so, und wir hatten alle unseren
Spass, wenn ich mein T-shirt wieder zurueckforderte.
Obwohl ihr Mann an Bord arbeitete, hatte Fatuma mit mir einen lockeren Umgang.
Da sind die westafrikanischen Frauen ganz anders als die in Ostafrika (da gibt es keine
lockere Frauen, nur lockere Maedchen).
Spass hatten natuerlich die Kinder im Alter von ca. 1/2 – 6 Jahren vielleicht. Ich war der
Schiffsclown, der mit ihnen rumtobte, auf dem sie reiten durften, dem sie die Haare nass
machen und dann kaemmen durften. Sie rieben mir meinen Ruecken und meinen Bauch
(der sie vor allem interessierte, weil er so weiss wie der eines Fisches war) mit Niveamilch ein
und sich selbst natuerlich gleich mit. Fatuma wollte nichts davon haben. Mit einer Geste
zeigte sie mir, dass sie ihr Gesicht mit Flusswasser reinige. Als sie dann aber die Milch roch, fand sie so viel Gefallen daran, dass ich ihr gleich einen kleinen Vorrat in einen Plastikbeutel abfuellen musste.
Beim Rumtoben mussten wir aber auf die Kleinkinder aufpassen, die da rum lagen, wenn sie nicht gerade an irgendeiner Brust nuckelten.
‘Irgendeine Brust’ ist woertlich zu nehmen. Fatuma z.B. sass mir waehrend einer Unterhaltung gegenueber und stillt ihren Saeugling. Da holte sie die andere Brust heraus
und hielt sie in meine Richtung. Ich wusste gar nicht, was das sollte, ob sie mir stolz zeigen wollte, wieviel Milch sie haette. Bis ich merkte, dass neben mir das kleine Kind einer anderen
Frau sass, das sie mit dieser Geste zu sich lockte. Das legte sie dann an der freien Brust
an, ohne ihre Unterhaltung mit mir zu unterbrechen.
Sie machte dann noch die Bemerkung, dass sie nicht wie die Weissen Schnuller haetten.
Wir unterhielten uns ueber alles Moegliche. Sie war 25, hatte schon mit 15 geheiratet
(der Brautpreis betrug 20 000 CFA = 30 EUR) und sie war nur Schule gegangen.
Sie wollte etwas ueber Deutschland, Frankreich und England wissen und vieles mehr.
die Fahrt war zwar nicht so bequem wie gestern, unbequem allerdings auch nicht, aber mindestens genau so unterhaltsam wie die mit den Franzosen.
Fotografiert wurde natuerlich auch viel; nichts kuenstlerisch Wertvolles (ich bin als Fotograf
sowie so eher ein solider Handwerker als ein Kuenstler) und z.T. auch einiges an Schrott,
weil die Kinder immer danach verlangten, und Fatuma und die Kinder auch mal knipsen wollten (mehr Pinassendach als Personen). Auf jeden Fall hatten wir beim Anschauen auf dem Monitor viel Spass dabei.
Einmal unterhielten wir uns ueber Kinder, dass in Deutschland so wenige und in Mali so viele
waeren. Da sagte Fatuma, ich solle doch ihre 2jaehrige Tochter mit nach Deutschland nehmen, da haette sie es besser. Am naechsten Tag war unter den neuen Passagieren
eine Hochschwangere, die bereits 4 Kinder hat, und auch sie sagte, nach der Geburt koennte ich das Kind doch mit nach Europa nehmen, dann wuerde es ein kleiner ‘allemandais’. Solche Aussagen, auch wenn sie im Laufe von scherzhaften Unterhaltungen fallen, stimmen einen dann doch traurig. Da wird es einem wieder bewusst, wie gut es uns geht, und welch hartes Los viele Afrikaner haben. Dann ist man beim naechsten „Donne-moi cadeau“ nicht ganz so hart, auch wenn es nur der beruehmte Tropfen und im Grunde eine Beruhigung des schlechten Gewissens ist, dass man vielleicht doch mehr tun koennte, und
weil man sich ein dickes Fell zulegt, wenn man durch die 3. Welt reist.

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Take care,
Rainer a.k.a forsty


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